Verwandlung vom Bau- zum Tomatengutachter



Edgar Baerenz hat in seinem Regionalladen eine Nische zum Wohlfühlen gefunden

Von Annika Jensen

Brandenburg an der Havel: Edgar Baerenz betreibt seit einem Jahr den Regionalladen am Dom. Der ist seither auch zu einem sozialen Treffpunkt geworden. Der Laden füllt eine Nische, die immer etwas größer wird.

Gemüse, Kräuter, Säfte und noch vieles mehr. Edgar Baerenz bietet den Brandenburgern Gesundes. Seit einem Jahr verkauft er biologisch angebaute, organische und saisonale Produkte in seinem Regionalladen am Grillendem. Der Name des Ladens kommt nicht von Ungefähr – er ist Programm.

„Regional heißt: ich kaufe direkt beim Erzeuger. Ich kenne jeden Produzenten persönlich. Den Bauern der Milchprodukte, den Gemüsebauer der Tomaten, den Mostbauern des Saftes. Der Laden füllt eine Nische. Wir sind bestrebt besondere und gesunde Produkte zu finden und dadurch unser Angebot ständig zu erweitern.“

Eine Besonderheit sind die Tomaten in seinem Geschäft. Viele verschiedene Sorten sind im Angebot und zwingen die Kunden zu einer schweren Entscheidung. „Wir haben eine große Vielfalt. Mindestens sechs Sorten sind Historische.“ Rot, grün, schwarz, manch eine Tomate kommt recht merkwürdig daher. „Sie schmecken aber fantastisch.“

Zu seinem Konzept gehören auch Werke Brandenburger Künstler. „Wir kaufen die Stücke auf Kommission und stellen sie in unserem Laden aus“, sagt Baerenz. „Er soll auch ein Ort für die lokalen Künstler sein, sich auszuprobieren.“

Und die Person hinter der Ladentheke? Ist Edgar Baerenz glücklich? „Ja“, sagt er begeistert. „Nach Brandenburg kam ich der Liebe wegen. Mit 56 habe ich mich noch einmal gefühlt wie mit 16“, sagt der heute 65-jährige Rentner. Es sei aber das Gesamt-Paket, das ihn glücklich macht. Partnerin, Stadt, Laden.

„Mein größtes Glück in Brandenburg habe ich in Gertrude gefunden. Brandenburg selbst ist aber auch jeden Tag beglückend für mich, weil ich hier meine körperlichen und seelischen Bedürfnisse befriedigen kann“, sagt Baerenz. „Ich fühle mich hier fast wie in einem Dauerurlaub, so schön ist es hier. Das viele Wasser ist toll. Ich gehe gern schwimmen, fahre Fahrrad und habe einen großen Bekanntenkreis.“

Vor seiner Rente war Baerenz als Bauprojektleiter bei einem großen Berliner Energieunternehmen beschäftigt. Hin und wieder erstellt er für die Firma eines Freundes noch immer das ein oder andere Baugutachten. Der Regionalladen sei in seiner Rente aber die größere Erfüllung. „Der Laden gibt mir sehr viel: Ich unterhalte mich gern mit Menschen. Täglich kommen etwa 50 Kunden und Freunde. Der Laden ist zu einem sozialen Treffpunkt geworden“, sagt er. Das zeigt auch sein Mobiliar.

In welchem Laden steht schon ein Tisch mit vier Stühlen darum? „Ich lerne sehr viel über die Produkte und ernähre mich bewusster. Zum Beispiel weiß ich heute viel mehr über Tomaten. Ich wurde vom Baugutachter zum Tomatengutachter“, sagt Baerenz und lacht.

Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) 19.10.2016